Gemeinsames Engagement gegen den Fachkräftemangel
Erstmals treten fünf Berufsverbände der universitären Medizinalberufe gemeinsam vor die Öffentlichkeit: Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH, Schweizerischer Apotherkerverband pharmaSuisse, Schweizerische Gesellschaft für Chiropraktik ChiroSuisse, Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft (SSO) und Gesellschaft Schweizerischer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) schlagen Alarm. Sie vertreten über 63’000 Fachpersonen und sehen die medizinische Versorgung von Mensch und Tier zunehmend unter Druck. Mit einer symbolträchtigen Aktion auf dem Bundesplatz machen sie sichtbar, wo es hakt: Acht konkrete Hürden stehen einer nachhaltigen Sicherung der Versorgung im Weg.
Der gemeinsame Forderungskatalog reicht von einer substanziellen Erhöhung der Studienplätze und der Sicherstellung qualitativ hochwertiger Aus- und Weiterbildung über bessere Arbeitsbedingungen und weniger administrative Auflagen bis hin zur Förderung der Digitalisierung und einer schweizweit einheitlichen Zulassungspraxis. Das Ziel ist klar: Mehr Fachkräfte ausbilden, im Beruf halten und die Versorgung langfristig sichern. Der koordinierte Auftritt setzt ein starkes Signal an Politik und Öffentlichkeit: Wegschauen ist keine Option mehr.
FMH-Ärztestatistik 2024: Mehr Frauen im Arztberuf und hohe Auslandsabhängigkeit
Überlastete Notfallstationen, lange Wartezeiten und ein steigender Koordinationsaufwand im Versorgungsalltag zeigen: Die Sicherstellung der medizinischen Versorgung bleibt anspruchsvoll. Die FMH-Ärztestatistik 2024 zählt 42 602 berufstätige Ärztinnen und Ärzte. Gleichzeitig ist die Ärzteschaft im Wandel: Der Frauenanteil steigt kontinuierlich und liegt inzwischen bei 47,5 Prozent, Arbeitsmodelle verändern sich, Teilzeitarbeit und Gruppenpraxen gewinnen an Bedeutung.
Auffällig bleibt die hohe Auslandsabhängigkeit: 41,3 Prozent der in der Schweiz tätigen Ärztinnen und Ärzte haben ihr Medizinstudium im Ausland abgeschlossen. Die aktuellen Zahlen machen deutlich, dass neben der Erhöhung von Aus- und Weiterbildungskapazitäten auch moderne Arbeitsbedingungen und gezielte Entlastung, etwa durch Digitalisierung, entscheidend sind, um die Versorgung langfristig zu sichern.
MPA-Ausbildung am Wendepunkt
Die Ausbildung zur Medizinischen Praxisassistentin / zum Medizinischen Praxisassistenten (MPA EFZ) wird grundlegend überarbeitet. Mit der laufenden Totalrevision wird der Beruf strategisch neu ausgerichtet. Das Ziel ist, die ambulante Grundversorgung langfristig zu stärken und dem zunehmenden Fachkräftemangel wirksam zu begegnen.
Viele Arztpraxen stehen bereits heute vor der Herausforderung, genügend qualifizierte MPA zu rekrutieren und im Beruf zu halten. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen im Praxisalltag deutlich: Prävention, Patientenberatung, digitale Kompetenzen sowie strukturierte Triage gewinnen weiter an Bedeutung. Die Revision schafft die Grundlage, die Ausbildung praxisnäher, kompetenzorientierter und attraktiver zu gestalten.
Entscheidend ist nun die aktive Mitwirkung der Ärzteschaft. Nur wenn sie den Prozess mitträgt und mitgestaltet, können die strukturellen Voraussetzungen geschaffen werden, damit auch künftig ausreichend qualifizierte MPA zur Sicherung einer qualitativ hochstehenden medizinischen Grundversorgung beitragen.
Swiss eHealth-Barometer 2025: Digitalisierung braucht Vertrauen und konkreten Nutzen
Digitale Gesundheitsangebote sind im Alltag vieler Menschen angekommen und werden zunehmend als praktische Unterstützung wahrgenommen. Fast 2’000 Bürgerinnen und Bürger und rund 1’500 Gesundheitsfachpersonen wurden für das Swiss eHealth-Barometer 2025 befragt. Die Bilanz ist differenziert: Die Chancen der Digitalisierung werden erkannt, gleichzeitig bleiben Datenschutz und Vertrauen zentrale Voraussetzungen für eine breite Akzeptanz.
83 Prozent der Bevölkerung würden ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten uneingeschränkten Einblick in ihre Gesundheitsdaten gewähren, was ein klares Zeichen für die Schlüsselrolle der Ärzteschaft als Vertrauensinstanz ist. Gleichzeitig bestehen Sorgen vor Datenmissbrauch, insbesondere beim elektronischen Patientendossier. Wo Schutzmassnahmen nachvollziehbar sind und der Nutzen im Alltag spürbar wird, steigt jedoch die Zustimmung deutlich. Das zeigt sich auch bei konkreten Anwendungen: 80 Prozent der Ärztinnen und Ärzte führen die elektronische Krankengeschichte vollständig digital und Funktionen wie z.B. Rezept-Erinnerungen stossen bei der Bevölkerung auf breite Unterstützung. Digitalisierung gelingt dort, wo sie sicher, praxistauglich und vertrauenswürdig ist und die Versorgungsqualität spürbar verbessert.
Ambulante Tarifrevision 2025: Zeitgemässe Tarife für eine starke Grundversorgung
Mit dem Entscheid des Bundesrates, das neue ambulante Tarifsystem per 1. Januar 2026 einzuführen, wird ein jahrelanger Reformprozess konkret. Der veraltete TARMED wird abgelöst und damit die Grundlage für eine sachgerechte, wirtschaftliche und kontinuierlich weiterentwickelbare Tarifstruktur geschaffen. Künftig können die medizinischen Fachgesellschaften aktiv an der Weiterentwicklung mitwirken, während die Kostenentwicklung systematisch überwacht wird.
Mit TARDOC werden Fehlanreize korrigiert und die Grundversorgung gezielt gestärkt. Gleichzeitig bleiben Herausforderungen: Einige Pauschalen müssen aufgrund unzureichender Datengrundlagen überarbeitet werden. Unter dem Dach der OAAT AG sind für in die Zukunft jährliche Korrekturen und Anpassungen vorgesehen (lernendes System). Die Revision markiert damit einen wichtigen Meilenstein für faire Tarife und eine nachhaltig gesicherte ambulante Versorgung.
Weiterbildung 2025: Qualität sichern – Zusammenarbeit stärken
In Nottwil trafen sich die Bildungsverantwortlichen der deutschsprachigen Länder, um ein gemeinsames Ziel zu bekräftigen: Die ärztliche Weiterbildung muss höchsten Qualitätsansprüchen genügen, heute mehr denn je. In einer Zeit rasanter medizinischer Entwicklungen und wachsender Systemkomplexität sind transparente Standards, evidenzbasierte Bildungsformate und kontinuierliche Evaluation zentral, um die medizinische Exzellenz langfristig zu sichern.
Ein besonderer Fokus lag auf den Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auf Studium und ärztliche Praxis. Der rasche technologische Fortschritt verlangt eine laufende Anpassung der Aus-, Weiter- und Fortbildung. Gleichzeitig stärkt die grenzüberschreitende Kooperation den fachlichen Austausch und fördert gemeinsame, zukunftsweisende Bildungsansätze, von digitalen Lerntechnologien bis zur Förderung ärztlicher Führungskompetenzen. Die enge Allianz im deutschsprachigen Raum setzt damit ein klares Zeichen für eine harmonisierte, qualitativ hochwertige Weiterbildungskultur und eine nachhaltige Patientenversorgung.
Weiterentwicklung der ambulanten Tarifstruktur: Tarifpartner reagieren rasch
Mit gezielten Ergänzungen an der Startversion von TARDOC und den ambulanten Pauschalen haben die Tarifpartner gemeinsam mit der OAAT AG rasch auf erkannte Verbesserungsbedarfe reagiert. Die Anpassungen, unter anderem zur Tarifierung von Notfallleistungen, zur Kombinationstherapie in der Onkologie sowie zur differenzierten Wundversorgung, wurden dem Bundesrat im Juli 2025 zur Genehmigung eingereicht, um eine praxistaugliche Einführung der neuen Tarifstrukturen per 1. Januar 2026 sicherzustellen.
Die Nachbesserungen zeigen, dass die Tarifpartnerschaft funktioniert: Verbesserungen können datenbasiert identifiziert und gemeinsam umgesetzt werden. Der Bundesrat hat die Anpassungen am 5. November 2025 genehmigt und damit den Weg für die Einführung der weiterentwickelten Tarifstrukturen freigemacht. Dies stärkt die kontinuierliche Weiterentwicklung der ambulanten Tarife und schafft eine tragfähige Grundlage für eine sachgerechte Vergütung ärztlicher Leistungen.
Innovation Qualité 2026: Pionierprojekte für eine bessere Patientenversorgung
Mit der Eröffnung der Ausschreibung für die Innovation Qualité 2026 setzt die SAQM ein klares Zeichen: Qualität entsteht dort, wo engagierte Fachpersonen neue Wege gehen. Bereits zum fünften Mal sucht der FMH-Qualitätspreis praxiserprobte Projekte, die die Patientenversorgung konkret verbessern und zukunftsweisende Impulse für das Gesundheitswesen geben.
Im Fokus stehen diesmal «Erfolgreiche Ambulantisierung» und «Patientensicherheit», zwei zentrale Handlungsfelder für eine qualitativ hochstehende und nachhaltige Versorgung. Beide Kategorien sind mit je CHF 15’000 dotiert; ein zusätzlicher Jurypreis würdigt weitere innovative Initiativen. Getragen von einem breiten Netzwerk aus 49 Partnerorganisationen werden die ausgezeichneten Projekte einer grossen Fachöffentlichkeit präsentiert und erhalten eine etablierte Plattform. Die Preisverleihung im Juni 2026 in Bern stärkt den fachlichen Dialog über wirksame Lösungen im Gesundheitswesen.
Relaunch 2025: Die säz als starke Stimme der Ärzteschaft
Das «gelbe Heft» ist zurück, neugestaltet und vollständig in redaktioneller Verantwortung der FMH. Mit dem Relaunch positioniert sich die Schweizerische Ärztezeitung (säz) wieder klar als zentrale Plattform für standes- und gesundheitspolitische Themen, medizinische Fachbeiträge und praxisnahes Wissen. Sie erscheint zehnmal jährlich in Printform und wird im Jahr 2026 auch wieder online verfügbar sein.
Jede Ausgabe setzt neu einen thematischen Schwerpunkt; den Auftakt in der September-Ausgabe macht die ambulante Tarifrevision - ein Thema von unmittelbarer Relevanz für die Ärzteschaft. Neben fundierten Analysen und Beiträgen zur Berufspraxis finden auch Meinungen und der traditionsreiche Cartoon wieder ihren Platz. Die neue säz vereint Information, Orientierung und Identität und gibt der Ärzteschaft eine sichtbare, starke Stimme.
Qualitätsverträge 2025: Verbindliche Grundlage für bessere Versorgung
Mit der Einreichung der ersten gesamtschweizerischen Qualitätsverträge im praxisambulanten Bereich beim Bundesrat setzen FMH, prio.swiss und der SVDE ein starkes Zeichen: Qualität ist keine Option, sondern gemeinsame Verantwortung. Erstmals schaffen die Tarifpartner eine verbindliche Grundlage für eine systematische und nachhaltige Qualitätsentwicklung in Arztpraxen.
Im Zentrum steht eine gelebte Qualitäts- und Lernkultur. Konkrete Massnahmen wie die Checkliste «Sichere Chirurgie», Qualitätszirkel oder die systematische Erhebung der Patientenzufriedenheit machen Qualität mess- und weiterentwickelbar. Die Verträge setzen damit Art. 58a KVG um und verbinden Wirtschaftlichkeit mit Patientennutzen. Regelmässige Überprüfungen stellen sicher, dass die Instrumente wirksam bleiben und laufend angepasst werden können.
JA zur e-ID: Digitaler Schub für das Gesundheitswesen
Mit der Abstimmung vom 28. September 2025 stand mehr auf dem Spiel als eine technische Lösung: Es ging um die Grundlage für eine vernetzte, sichere und zukunftsfähige Gesundheitsversorgung. Gemeinsam mit H+, pharmaSuisse, dem SBK und prio.swiss sprach sich die FMH klar für die staatlich organisierte e-ID aus, als entscheidenden Baustein für die digitale Kommunikation zwischen Patientinnen, Patienten und Gesundheitsfachpersonen.
Die einheitliche e-ID schafft die Voraussetzung für einen breiten Zugang zu digitalen Anwendungen wie E-Rezept oder weiteren Initiativen im Rahmen von Digisanté. Gleichzeitig gewährleistet die staatliche Lösung in Verbindung mit dem Datenschutzgesetz hohe Sicherheitsstandards, was ein zentraler Faktor im sensiblen Gesundheitsbereich darstellt. Das Ja zur e-ID bedeutet damit einen konkreten Fortschritt: weniger Medienbrüche, effizientere Prozesse und eine Digitalisierung, die den Nutzen für Patientinnen und Patienten ins Zentrum stellt.
SwissSkills 2025: Nachwuchs begeistert für den MPA-Beruf
Mit einem stark frequentierten Auftritt an den SwissSkills 2025 in Bern setzt das MPA-Kompetenzzentrum der FMH ein sichtbares Zeichen für die Nachwuchsförderung. Tausende Jugendliche nutzen vom 17. bis 21. September die Gelegenheit, den Beruf der Med. Praxisassistentin und des Med. Praxisassistenten praxisnah zu erleben, vom Fäden ziehen über Reanimation bis hin zur Blutentnahme und Röntgeneinstelltechnik.
Der grosse Andrang und die aktive Teilnahme an den Mitmachstationen zeigen das hohe Interesse am MPA-Beruf. Der Auftritt macht deutlich, wie zentral MPA für das Funktionieren ambulanter Einrichtungen sind und wie wichtig es ist, jungen Menschen dieses vielseitige Berufsbild frühzeitig und erlebbar näherzubringen.
Kostendämpfung 2025: Effizienz im Dienst der Qualität
Am Runden Tisch «Kostendämpfung im Gesundheitswesen» haben Bund und Akteure des Gesundheitswesens einen gemeinsamen Kompromiss gefunden, ein Signal, dass tragfähige Lösungen nur im Dialog entstehen. Für die FMH ist klar: Effizienz darf kein Selbstzweck sein, sondern muss der Qualität und der Versorgungssicherheit dienen.
Im Zentrum steht die konsequente Förderung der Ambulantisierung. Die Verlagerung von stationären zu ambulanten Leistungen schafft Spielraum in Zeiten des Fachkräftemangels und kann die Versorgungsqualität stärken. Damit dies gelingt, braucht es jedoch faire Rahmenbedingungen, insbesondere mit Blick auf die einheitliche Finanzierung (EFAS) und die Einführung der neuen ambulanten Tarifstruktur. Parallel dazu setzt die FMH mit «Smarter Medicine» auf wirksame, evidenzbasierte Behandlungen und die Vermeidung unnötiger Leistungen. Ziel bleibt eine hochwertige, für alle zugängliche Gesundheitsversorgung, getragen von ausreichend qualifizierten Fachpersonen mit Zeit für ihre Patientinnen und Patienten.
Befragung der Ärzteschaft 2025: Hohe Berufszufriedenheit – Bürokratie als Belastungsfaktor
Die grosse Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte identifiziert sich stark mit ihrem Beruf: In der Praxisambulanz liegt die Zufriedenheit bei 89 Prozent, in der Rehabilitation bei 85 Prozent und in der Akutsomatik bei 82 Prozent. Trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen bleibt die intrinsische Motivation für den Beruf hoch.
Gleichzeitig zeigt die repräsentative gfs.bern-Umfrage im Auftrag der FMH eine wachsende Belastung durch administrative Aufgaben. Spitalärztinnen und -ärzte in der Akutsomatik wenden durchschnittlich 114 Minuten pro Tag für Dokumentationsarbeiten auf, Assistenzärztinnen und -ärzte sogar 183 Minuten, das ist nahezu gleich viel Zeit wie für patientennahe Tätigkeiten. Der Fachkräftemangel und fehlende Investitionen in effiziente IT-Strukturen verschärfen die Situation zusätzlich. Die Ergebnisse unterstreichen den Handlungsbedarf bei administrativer Entlastung, Digitalisierung und der strategischen Weiterentwicklung der ambulanten Versorgung.

